Ziele und Arbeit der Gesellschaft für Friedrichstädter Stadtgeschichte

Die Vorbereitungsarbeiten für das 350jährige Stadtjubiläum 1971 gaben den Anstoß zur Gründung unserer Gesellschaft. 50 Personen traten spontan als Mitglied bei – heute füllen mehr als 400 Namen die Mitgliederliste der Gesellschaft, die in der Rechtsform eines eingetragenen Vereins geführt wird. Der Verein ist als gemeinnüzig anerkannt. Seit dem Gründungstag im Oktober 1970 wird intensiv und mit großem Erfolg in der Gesellschaft gearbeitet.

Nach der Satzung gehören die Pflege und Erhaltung des historischen Stadtbildes und in Zusammenarbeit mit dem Museumsverein die Förderung des Stadtmuseums neben der Erforschung der Stadtgeschichte zum Zweck der Gesellschaft.

Die Bemühungen um die Stadtbildpflege mündeten in Zusammenarbeit mit den städtischen Gremien schließlich in den Erlass einer umfassenden Ortsgestaltungs-Satzung. Eine informative Beschilderung der historischen Häuser bieten Ortsansässigen und Touristen kurze, prägnante Hinweise.

Für das Museum legten die Mitglieder durch Stiftung von Gegenständen aller Art den Grundstein für eine moderne Präsentation in der sogenannten  „Alten Münze“. Das Haus aus der Gründungszeit ist eines der schönsten der Stadt.

Alte Münze 1

Das Schwergewicht der Arbeit in der Gesellschaft für Friedrichstädter Stadtgeschichte liegt natürlich in der Erforschung der ungewöhnlichen Geschichte unserer durch holländische Immigranten erbauten Stadt. Die Ergebnisse dieser Forschungstätigkeit werden in den jährlich zweimal erscheinenden 100 bis 300 Seiten umfassenden Broschüren veröffentlicht. Inzwischen sind 86 dieser Ausgaben unter dem Reihentitel „Mitteilungsblatt der Gesellschaft für Friedrichstädter Stadtgeschichte“ erschienen. Sie sind in erster Linie für unsere Mitglieder gedacht, können aber auch durch die öffentlichen Bibliotheken bezogen oder im Stadtarchiv gelesen werden.

Die Geschichte unserer von Glaubensflüchtlingen gegründeten Stadt ist geprägt durch das tolerante Zusammenleben verschiedener Religionsgemeinschaften, den Remonstranten, Mennoniten, Lutheranern, Katholiken, Quäkern und Juden, um nur die wichtigsten zu nennen. Aus ihrer Mitte – nicht aus Parteien oder wirtschaftlichen Vereinigungen – wurden einst nach dem Stadtrecht tatkräftige Männer in den Rat der Stadt entsandt. Interessant sind dabei die wirtschaftlichen Beziehungen mit Spanien, den Niederlanden, England und den nordischen Ländern. Gestört wurde das friedliche Zusammenleben in den vergangenen Jahrhunderten durch kriegerische Ereignisse, angefangen vom  Dreißigjährigen Krieg bis hin zur Bombardierung der Stadt in den Auseinandersetzungen zwischen Schleswig-Holsteinern und Dänen im Jahr 1850. Der fielen leider auch die Archivalien im Rathaus zum Opfer. Dennoch besitzen wir heute durch die von Friedrichstädter Vereinen und einzelnen Bürgern uns überlassenen historischen Gegenstände und Dokumente ein hervorragend sortiertes Stadtarchiv. Mit den ebenfalls eingebrachten Archiven der Kirchengemeinden und dem durch uns eingerichteten umfangreichen Archiv der bis zur NS-Zeit bestehenden israelitischen Gemeinde verfügen wir über beachtliches Material für wissenschaftliche Auswertungen. Hinzu kommt mit der Jockenhövel-Bibliothek noch eine große Sammlung religionswissenschaftlicher und kirchengeschichtlicher Literatur.

Mehrere Examensarbeiten und Dissertationen konnten wir begleiten.

Der Beitritt zu unserer Gesellschaft steht jedem Bürger frei, auch wenn er nicht selbst wissenschaftlich arbeiten, sondern die Erforschung der Stadtgeschichte fördern und durch die Veranstaltungen der Gesellschaft und ihre Veröffentlichungen mehr über seine Heimatstadt erfahren möchte.